Aktuelles

Pressemitteilung Verband deutscher Musikschulen, Landesverband Hessen e.V., 16. Februar 2026 

Kommunen und Land Hand in Hand

Pakt für Musikschulen untermauert das gesellschaftliche Erfordernis für eine umfassende Bildungsstruktur in Hessen

Am Freitag, den 13. Februar 2026 trafen der Vorsitzende der hessischen Landtagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen, Mathias Wagner und der Landesvorsitzende des Verbandes deutscher Musikschulen Hessen (VdM Hessen), Michael Eberhardt in der Musikschule Marburg mit der dortigen Vorsitzenden des Trägervereins, Frau Katrin Hensel und Musikschulleiter Eugen Anderer zum Informationsaustausch zusammen. Ausgangspunkt war die gemeinsame Verantwortung von Kommunen und Land für die dauerhafte Gewährleistung der Teilhabegerechtigkeit an musikalischer Bildung im Rahmen des aktuell bestehenden Paktes für Musikschulen. Hierbei kommt dem bevorstehenden Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen in Hessen ab dem kommenden Schuljahr eine besondere Rolle zu.

In der Marburger Musikschule unterrichten 58 Musikehrkräfte rund 2500 Schülerinnen und Schüler. Davon werden etwa 1000 in 17 Kindertagesstätten und Schulkooperationen erreicht „Es ist absolut wichtig, dass alle Teile des Landkreises mit musikalischer Bildung durch öffentliche Musikschulen versorgt werden“, hob Eugen Anderer hervor, „wobei etwa 300 dieser Schülerinnen und Schüler indes aus umliegenden Gemeinden des Landkreises Marburg/Biedenkopf kommen. Hierzu planen wir regelmäßig Lehrkräfte nach Biedenkopf zu entsenden, die dort in den allgemeinbildenden Schulen unterrichten sollen. Dadurch werden erhebliche Fahrtkosten anfallen, die wir als Musikschule mitfinanzieren. Deshalb benötigen wir hierfür eine deutliche höhere Mitfinanzierung des Landkreises.“

Die Marburger Musikschule erweist sich somit als unersetzlicher Teil einer umfassenden Bildungsinfrastruktur, die in der Kooperation zwischen Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen ihren praktischen Ausdruck findet. „Bereits heute bestehen hessenweit hunderte von Kooperationsprojekten – von Team-Teaching über Klassenmusizieren bis hin zu räumlichen Partnerschaften. Programme wie ¢ZusammenSpiel Musik¢ zeigen, dass nachhaltige Kooperationen gelingen können, wenn sie strukturell abgesichert und nicht nur projektbezogen gefördert werden. Auf diese Weise leisten öffentliche Musikschulen einen zentralen Beitrag zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen und musikalische Bildung für alle“, erklärt Michael Eberhardt.

Mit dem Ausbau des Ganztagsangebots wächst die Verantwortung, von Anbeginn kulturelle Bildung strukturell mitzudenken. Die öffentlichen Musikschulen sehen dabei allerdings die Gefahr, dass insbesondere die Instrumental- und Vokalausbildung unter Druck gerät, wenn Kinder durch lange Schulzeiten faktisch keine Möglichkeit mehr haben, regulären Musikschulunterricht wahrzunehmen. Deshalb betonten die Vertretenden der Musikschulen die Notwendigkeit einer engen Verzahnung zwischen öffentlichen Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen. Modelle zur Rhythmisierung des Schulalltags liegen seit Jahren vor: Sie sehen vor, Zeitfenster für kulturelle Bildung verbindlich in den Vormittag zu integrieren – etwa durch „auf Band gelegte“ Unterrichtsphasen in der zweiten oder vierten Stunde. Dafür könnte regulärer Unterricht teilweise in den Nachmittag verlagert werden. Ein solcher strukturierter Ansatz würde nicht nur musikalische Bildung sichern, sondern zugleich das Unterrichtsgeschehen insgesamt entzerren und den Schulalltag kindgerechter gestalten.

Beim Pakt für Musikschulen haben sich das Land Hessen und die Kommunen indes auf den Weg einer gemeinsamen verlässlichen Finanzierungsstruktur gemacht. Bis zum Jahr 2031 will hierbei das Land 12,5 % der Gesamtkosen der öffentlichen Musikschulen übernehmen, sofern die Kommunen ihren Anteil auf 35 % erhöhen. Dadurch wird perspektivisch eine deutliche Entlastung der Familien sowie eine tarifgerechte Bezahlung der Lehrkräfte ermöglicht.

Insbesondere im Hinblick auf die Kommunen richtet Michael Eberhardt seine Bitte an den Fraktionsvorsitzenden der hessischen Grünen, Mathias Wagner, die entsprechenden verantwortlichen Personen in den hessischen Städten Gemeinden und Landkreisen für das Thema der kommunalen Mitfinanzierung sensibilisieren und sich vor Ort für diesen wesentlichen Teil der Umsetzung der des Paktes für Musikschulen einzusetzen. Wagner unterstrich in diesem Zusammenhang: „Musikschulen sind keine beliebige freiwillige Zusatzleistung, sondern Teil des Bildungswesens. Wer Ganztag qualitativ gestalten will, muss daher musikalische Bildung strukturell stets mitdenken. Deshalb dürfen Ganztag und Musikschule auch kein Gegeneinander sein. Vielmehr kann Hessen mit klarer Finanzierung und struktureller Einbindung bundesweit Modellcharakter erreichen.“

Unter dem gemeinsamen Dach des VdM Hessen leisten die öffentlichen Musikschulen mit 115.000 Schülerinnen und Schülern und rund 30.000 Jahreswochenstunden Unterricht einen zentralen Beitrag zur kulturellen Bildungslandschaft. Gleichzeitig bestehen bei der kommunalen Förderung noch erhebliche Unterschiede: Ein Großteil der Einrichtungen liegt deutlich unter dem angestrebten Finanzierungsanteil. Bislang bilden die hessischen Kommunen im Bundesvergleich bei der Musikschulförderung weiterhin das absolute Schlusslicht!


 

Pressemitteilung Verband deutscher Musikschulen, Landesverband Hessen e.V., 9. Februar 2026 

VdM Hessen zieht positives Fazit zur Landtagsdebatte über den Pakt für die Musikschulen

Der Verband deutscher Musikschulen in Hessen (VdM Hessen) hat die Plenardebatte des Hessischen Landtages zum Pakt für Musikschulen – ein starkes Zeichen für die hessischen Musikschulen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und zieht eine positive Bilanz. Die Debatte machte deutlich, welchen Stellenwert musikalische Bildung und die öffentlichen Musikschulen für das Land Hessen einnehmen.

Der Landtag stellte wiederholt fest, dass musikalische Bildung eine bedeutende Rolle bei der kulturellen Bildung von Kindesbeinen an spielt. In der damit einhergehenden Persönlichkeitsentwicklung fördert sie die Entwicklung, Wahrnehmung, koordinative Fähigkeiten und Kreativität von Kindern und Jugendlichen. Sie ermöglicht individuelles musikalisches Lernen und gemeinschaftliches sowie kulturelle Teilhabe. Öffentliche Musikschulen sind hierbei charakteristische kulturelle Bildungseinrichtungen, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ihrem breit gefächerten Unterrichtsangebot auch eine Vorstellung von der außerordentlichen Vielfalt der Musik vermitteln. Sie stehen dabei in der gesellschaftlichen Pflicht, die Teilhabe an Musik für alle sozialen Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten und dies zugleich mit der Möglichkeit einer umfassenden musikalischen Bildung zu verbinden. Musikschulen sind gerade auch in den ländlichen Räumen ein wichtiger Partner.

Vor diesem Hintergrund betonte der Landtag die Wichtigkeit von öffentlichen Musikschulen als wesentlicher Teil der kulturellen Bildung, wichtiger Baustein der Kulturszene vor Ort sowie als Ausgangspunkt für mögliche Künstlerinnen- und Künstler-Karrieren in Hessen.

Der Landtag unterstrich die Arbeit des seit 2021 eingerichteten Runden Tisches für die Musikschulen mit Vertretern des VdM Hessen und weiteren musikbezogenen Kulturverbänden sowie den Kommunalen Spitzenverbänden wie auch und aus der Landespolitik zur Einführung eines neuen Finanzierungsmodelles. Gemeinsam mit den Landkreisen und Kommunen, die sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten an der Finanzierung beteiligen, werden die hessischen Musikschulen auch im bundesweiten Vergleich, aber auch in ihrer Qualität und ihren Strukturen gestärkt.

Außerdem betonte der Landtag die beeindruckende Vielfalt der hessischen Musikschullandschaft und das starke Engagement ihrer Träger. Ob Vereine, Stiftungen oder kommunale Einrichtungen – sie alle leisten einen wertvollen Beitrag zur musikalischen Bildung und kulturellen Teilhabe. Durch ihre Arbeit entsteht ein Netzwerk, das nicht nur musikalische Talente fördert, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander stärkt und die kulturelle Vielfalt Hessens bereichert. Der Landtag dankte daher der gesamten hessischen Musikschullandschaft für deren herausragendes Engagement.

Vor diesem Hintergrund würdigte der Landtag ausdrücklich den „Pakt für die Musikschulen“. Diesbezüglich befürwortete erneut die Einführung eines Indikatorenmodells zur Finanzierung der öffentlichen Musikschulen im Rahmen der damit verbundenen neuen Förderrichtlinie. Das Indikatorenmodell legt qualitative Anforderungen für die Förderung fest und honoriert dadurch das Engagement vor Ort, unterstützt die gute pädagogische Arbeit und ermöglicht zugleich eine stetige, sich an anerkannten Standards orientierende Fortentwicklung des Musikschulstandortes Hessen. Dies schlägt sich u. a. in dem geplanten Mittelaufwuchs von jährlich 600.000 Euro bis zum Jahr 2031 nieder und bedeutet in haushalterisch herausfordernden Zeiten eine Verdopplung der zur Verfügung stehenden Mittel im Vergleich zum Jahr 2024.

Schließlich erkannte der Landtag die finanziellen und organisatorischen Herausforderungen, vor denen die öffentlichen Musikschulen durch das sogenannte „Herrenberg Urteil“ stehen, an.  Gleichzeitig ermutigt er die Landesregierung weiter in ihrem Bestreben, gemeinsam mit dem Bund eine dauerhafte Rechtssicherheit im Hinblick auf die Beschäftigungsverhältnisse von Lehrenden für die Zeit ab 2027 zu erreichen

Der Landesvorsitzende des VdM Hessen, Michael Eberhardt betont im Rückblick auf die Debatte: „Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der hessischen öffentlichen Musikschulen und damit der musikalischen Bildung sehe ich hier einen weiteren bedeutsamen Schritt der Wertschätzung aller Lehrenden an öffentlichen Musikschulen. Im Zentrum steht hier die Weiterentwicklung der Beschäftigungsverhältnisse unserer Lehrkräfte und ebenso die Weiterentwicklung unseres gemeinsamen Bildungsauftrages in der Vielzahl musikpädagogischer Kooperationen mit den allgemeinbildenden Schulen und unseren weiteren Bildungspartnern.“

Die Debatte war auf Initiative der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag zustande gekommen und unterstreicht aus Sicht des VdM Hessen die Notwendigkeit, musikalische Bildung langfristig politisch abzusichern und weiterzuentwickeln. Durch die Diskussion im Landtag sieht sich der VdM Hessen in seiner Arbeit bestätigt und wird sich auch künftig engagiert für verlässliche Rahmenbedingungen, gute Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte und eine starke öffentliche Musikschullandschaft in Hessen einsetzen.


Kultur-Tour von Bündnis 90/Die Grünen in Hessen: Mathias Wagner macht Station in der Musikschule Marburg, 18.02.2026
v.l.n.r.: Michael Eberhardt (Vorsitzender des VdM Hessen), Katrin Hensel (Vorsitzende des Trägervereins der Musikschule Marburg), Eugen Anderer (Leiter der Musikschule Marburg), Mathias Wagner (Vorsitzender der Landtagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen), Thomas Schneider


Mehr Geld für Musikschulen – neue Förderrichtlinie belohnt Qualität und Engagement

Land setzt auf Indikatorenmodell und verdoppelt Fördersumme bis 2031

Link: Pressemitteilung 19.11.2025– Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

 


Erklärung der öffentlichen Musikschulen des Verbandes deutscher Musikschulen in Hessen (VdM Hessen)

Mit Musik ein Zeichen setzen für ein Miteinander in Würde und Respekt

Die öffentlichen Musikschulen im Verband deutscher Musikschulen in Hessen
(VdM Hessen) setzen mit der nachfolgenden Erklärung, beschlossen auf der Jahreshauptversammlung des VdM Hessen am 22. April 2024, ein Zeichen für
ein Miteinander in Würde und Respekt für alle Menschen.

Link: Mit Musik ein Zeichen setzen. VdM Hessen, 22.04.2024

 


Musik für alle ein Leben lang

© Wetterauer Zeitung, 25.04.2024

Friedberg (hms). Musik von Anfang an. Ein Leben lang und für alle: Das ist die Vision, die Michael Eberhardt, Gründer der Musikschule Friedberg und seit 13 Jahren Landesvorsitzender des Verbandes Deutscher Musikschulen Hessen hat. Unermüdlich hat er die Vision Wirklichkeit werden lassen. Dafür erhielt er im vergangenen Herbst die Ehrenurkunde für Kunst und Kultur des Landes Hessen.

»Es war Überraschung und Freude, als ich die Urkunde bekam. Aber ich vertrete ja den Landesverband, und so ist sie eine Würdigung für die gemeinsame Arbeit«, sagt Michael Eberhardt beim Treffen. Dann zieht er stolz die Urkunde aus der Schutzhülle und betrachtet sie mit einem Lächeln.

Eberhardt stammt aus Kassel, aus einer Familie, die es sich Anfang der 60er Jahre eigentlich nicht leisten konnte, das Kind in eine Musikschule zu schicken. Aber sein Vater war musikbegeistert und spielte nebenberuflich in einer Combo Gitarre. Das gefiel dem Jungen, und so bekam er mit acht Jahren von einem Jazz-Gitarristen den ersten Unterricht.

»Ich spiele klassische Gitarre und E-Gitarre. Künstlerisches Gitarrenspiel habe ich sogar studiert, neben Instrumentalpädagogik, Musikwissenschaften und Musikpädagogik. Ab und zu gebe ich noch Konzerte im Duo, mit einem Freund aus Marburg«, erzählt er. Damals hießen seine Vorbilder Bob Dylan und George Harrison. Und auch Werke für klassische Gitarre waren in dieser Zeit etabliert.

Mit 20 Jahren wurde Eberhardt Nachfolger seines Musiklehrers an der 1969 gegründeten Musikschule in Bad Vilbel, wo er inzwischen wohnte.

Aus seiner eigenen Erfahrung heraus wollte er immer anderen Kindern und Jugendlichen ermöglichen, Musik kennenzulernen und Musik zu machen, egal aus welcher sozialen Schicht sie stammen.

Schon als junger Gitarrenlehrer gab er benachteiligten Jugendlichen in einem Wohnheim Unterricht und brachte ihnen den Blues bei. Seine Vision auf breiter Basis umzusetzen, meinte er, sei am besten als Musikschulleiter möglich. So initiierte er 1985 die Gründung der Musikschule in Friedberg, deren Leiter er bis zu seinem Ruhestand 2019 war. 1990 hatte er zusätzlich den Abschluss als Musikschulleiter gemacht.

Nebenher engagierte Eberhardt sich ehrenamtlich im Verband. Als hessischer Beauftragter des deutschlandweiten »Forums der musikpädagogischen Programme in Grundschulen« führte er das »JeKi-Programm« ein: jedem Kind ein Instrument. Besonders eng arbeitete er mit der Musterschule in Friedberg zusammen. Aktuell seien es die Kinder der aus Kriegsgebieten geflüchteten Familien, deren Talent in den Schulen erkannt und unbürokratisch in Musikschulen gefördert werden müsse, betont er.

»Ich sehe in den Schulkooperationen, wie sehr das gemeinsame Musikmachen zur Persönlichkeitsbildung beiträgt. Der respektvolle Umgang miteinander, das Hören aufeinander, sich integrieren in eine Gruppe, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen: Die Kinder bekommen Selbstbewusstsein, wenn sie Erfolg am Instrument haben, lernen aber auch zurückzutreten, wenn die musikalischen Rollen wechseln«, weiß Eberhardt.

Natürlich sei es auch schön, wenn aus einer Musikschule spätere Künstler oder gute Pädagogen hervorgingen. Beides sei wichtig.

Und weil die öffentlichen Musikschulen einen pädagogische Auftrag haben, setzt sich der Landesvorsitzende auch mit Vehemenz für die Festanstellung von guten Lehrerkräften ein. Er kennt das ewige Lied von der schlechten Finanzierung in Hessen, das mit Schleswig-Holstein Schlusslicht in Deutschland ist.

Eberhardt brauchte einen langen Atem, bis er endlich bei der früheren Kultusministerin Angela Dorn ein offenes Ohr und tatkräftige Unterstützung beim »Pakt für die Musikschulen« fand.

Er denkt nicht an Ruhestand

Darin wurden die von Eberhardt geforderten neun Millionen Euro Landeszuschuss pro Jahr – statt der ursprünglichen 1,5 Millionen – festgelegt. Sie sollen schrittweise bis 2032 erreicht werden. Ziel ist eine Finanzierung durch 12,5 Prozent vom Land, 35 von den Kommunen und 52 Prozent durch die Eltern. »Dass die Kommunen auch mitziehen, überprüft eine Kommission. Dazu erarbeiten wir gerade die nächsten Schritte. Der jetzige Minister ist von Anfang an dabei und geht mit bis zum Ziel«, freut sich Eberhardt. Mit den Spitzenverbänden und Ministerien sei er in ständigem Gespräch.

Ruhestand ist für Eberhardt erst, wenn er diese Aufgabe zu Ende gebracht hat. Die Musik aber wird ihn sein Leben lang begleiten.

© Wetterauer Zeitung, 25.04.2024

 


Staatssekretärin Ayse Asar und Michael Eberhardt. ©Foto: kunst.hessen.de

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Ehrenurkunde für Kunst und Kultur würdigt Michael Eberhardts Lebenswerk

69-Jähriger engagiert sich seit Jahrzenten für musikalische Bildung in Hessen

Wiesbaden. Michael Eberhardt ist seit 24 Jahren in verschiedenen Vorstandsfunktionen beim Landesverband Hessen des Verbands deutscher Musikschulen tätig, davon zwölf Jahre als Landesvorsitzender. Mit diesem Amt und seiner Leidenschaft für die Musik vertritt Michael Eberhardt 67 öffentliche Musikschulen in 120 Städten und Gemeinden, mit etwa 3.000 Lehrkräften und rund 130.000 Schülerinnen und Schülern. Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, würdigt Eberhardts Einsatz für die Musik mit der Ehrenurkunde für Kunst und Kultur. Sie hat ihm heute die Auszeichnung im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst überreicht.

Enorm wichtige Pionierarbeit

„Michael Eberhardts Einsatz für niedrigschwellige Musikangebote für alle Kinder und Jugendliche – egal mit welchem sozialen Hintergrund – ist enorm wichtige Pionierarbeit. Kinder, die sonst nie mit Musikinstrumenten in Berührung kommen, werden spielerisch an musikalische Grundelemente wie Takt, Rhythmus und Notation herangeführt. Das Musizieren fördert Kognition und sozialen Austausch“, so Staatssekretärin Ayse Asar. „Michael Eberhardts beeindruckende Karriere zeugt von einer tiefen Leidenschaft für die Musik. Seine Arbeit hat das Leben von zahlreichen Musikschülerinnen und -schülern bereichert und er hat sich im besonderen Maße um die Entwicklung der hessischen Musikschullandschaft verdient gemacht. Mir ist es eine Freude, ihn für seine Verdienste mit der Ehrenurkunde für Kunst und Kultur auszuzeichnen.“

Gründer der Musikschule Friedberg

Michael Eberhardt, 1954 in Kassel geboren, absolvierte ein Studium der Musikpädagogik in Frankfurt am Main mit Abschluss am Richard Strauß Konservatorium München und 1989 die Ausbildung zum Schulleiter an der Bundes-Musikakademie Trossingen. Mit seinem Engagement in der Musik initiierte Eberhardt 1985 die Gründung der Musikschule Friedberg e. V. Von anfangs zwölf freiberuflichen Lehrern und 73 Schülern wuchs sein Projekt auf sieben festangestellte Instrumentallehrerinnen und -lehrer, einige freischaffende Musikpädagogen sowie 1.400 Schülerinnen und Schüler an. Eberhardt leitete die Musikschule bis zum Jahr 2019. Mit seiner Arbeit entwickelte er ein Musikschulmodell, übernahm zahlreiche Ehrenämter und bekleidete verschiedene Rollen als Bezirkssprecher und Landesvorsitzender im Landesverband des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM) Hessen. Eberhardt rief  „Jedem Kind ein Instrument“ ein Programm ins Leben, das bis heute einen wesentlichen Bestandteil für die Teilhabe an musikalischer Bildung und der Musikerziehung in unserem Land haben. Seit 2018 ist Eberhardt Mitglied des Kuratoriums beim VdM Hessen, das ehrenamtlich die Entwicklung der öffentlichen Musikschularbeit im Bereich der musikalischen Bildung und Erziehung unterstützt. Seine Arbeit hat das Leben von zahlreichen Musikschülerinnen und -schülern bereichert.

Was ist die Ehrenurkunde für Kunst und Kultur?

Die Ehrenurkunde für Kunst und Kultur würdigt Personen und Einrichtungen für ihre Verdienste und ihr Engagement im Bereich aller Kunstsparten. Sie wird seit 1993 in unregelmäßigen Abständen für die Festigung und Weiterentwicklung der Kultur in Hessen überreicht. Die Entscheidung zur Verleihung der Ehrenurkunde für Kultur und Kunst trifft die Hessische Ministerin oder der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst.

 

 

Staatssekretärin Ayse Asar und Michael Eberhardt mit Weggefährten. ©Foto: kunst.hessen.de

 

v.l.n.r. Volkhard Stahl, Ehrenpräsident BMU Hessen / Hans-Joachim Rieß, Landesgeschäftsführer VdM Hessen / Prof. Dr. Felix Leonhard, Vorsitzender Kuratorium beim VdM Hessen, Staatssekretär a.D. / Ayse Asar, Staatssekretärin / Michael Eberhardt, Landesvorsitzender VdM Hessen mit Ehefrau Christine Wigge

 

Übernahme des Textes und der Fotos mit freundlicher Genehmigung des HMWK – Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

https://wissenschaft.hessen.de/presse/ehrenurkunde-fuer-kunst-und-kultur-wuerdigt-michael-eberhardts-lebenswerk

 


Ein Bürgerrecht auf Kultur

Bericht über ein Kolloquium des Kuratoriums beim VdM Hessen

Autor nmz – vdm
Publikationsdatum 01.10.2023
Ausgabe 10/2023 – 72. Jahrgang

Politische Entscheidungsträger auf landes- und kommunaler Ebene sowie Vertreterinnen und Vertreter der jeweiligen Interessensgruppen der öffentlichen Musikschulen wie auch der Kooperationspartner waren im Juli 2023 der Einladung zum Kolloquium des Kuratoriums beim VdM Hessen in das Kulturforum der Wiesbadener Musik- und Kunstschule gefolgt. Im Kuratorium unterstützen verschiedene Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft ehrenamtlich die Entwicklung der öffentlichen Musikschularbeit im Bereich der musikalischen Bildung und Erziehung. Der aktuelle Pakt für die Musikschulen und seine praktische Umsetzung bildeten den thematischen Rahmen für Vorträge und eine Podiumsdiskussion.

Der Kuratoriumsvorsitzende Joachim-Felix Leonhard verwies in seiner Begrüßung auf die kulturelle und speziell die musikalische Bildung, die der Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen und damit unserer gesellschaftlichen Weiterentwicklung in besonderer Weise dienen. Deshalb sind öffentliche Musikschulen – mehr denn je – als grundlegende pflichtige Leistung zu verstehen, was nicht zuletzt auch durch die Bestätigung von Kultur als Staatsziel zum Ausdruck kommt. Diese ist in Hessen durch Bürgerentscheid mit dem neuen Artikel 26e in der Hessischen Verfassung verankert worden.
Angela Dorn, die Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, hob in ihrer Ansprache die öffentliche Musikschule als Ausdruck des Bürgerrechts auf Kultur hervor, bei dem es um die Kulturvermittlung als unverzichtbare gesellschaftliche Aufgabenstellung geht. Wie ein umfängliches Gutachten zwischenzeitlich aufwies, herrscht beim öffentlichen
Musikschulwesen in Hessen allerdings eine überaus große Heterogenität hinsichtlich der finanziellen Rahmenbedingungen. Deshalb haben sich das Land und die Kommunen im Rahmen des Paktes für Musikschulen auf einen gemeinsamen möglichst zukunftssichernden Lösungsweg begeben. Mit dem aktuellen Doppelhaushalt des Landes, der einen jährlichen Förderaufwuchs um 600.000 Euro aufweist, ist der erste Schritt getan. Hinzu kommt auch die mittelfristige Finanzplanung mit entsprechenden Steigerungsraten, sodass in knapp einer Dekade ein Fördervolumen von über neun Millionen Euro erreicht werden soll. Dies wird allerdings mit einem entsprechenden Anreizsystem für die erforderliche kommunale Förderpraxis verbunden.
In seinem Impulsvortrag umriss Oliver Scheytt die rechtlichen Rahmenbedingungen der öffentlichen Musikschulen im Allgemeinen und deren Niederschlag im „Gutachten Musikschule“ der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement im Besonderen. Hierbei wird der Pakt für die Musikschulen aufgrund der beabsichtigten Förderpraxis, die an jeweilig zu erfüllende Qualitätskriterien gebunden ist, tatsächlich vorbildhaft über ein bislang bundesweit geltendes Alleinstellungsmerkmal verfügen. Dazu gehören gerade auch die Aspekte der gelingenden Selbstwirksamkeit, nicht nur im Unterrichtsgeschehen, sondern auch in der Verwaltungspraxis. In der Podiumsdiskussion traten Angela Dorn, Oliver Scheytt, Joachim-Felix Leonhard und der Landesvorsitzende des VdM Hessen, Michel Eberhardt, miteinander in den Dialog. Auf die Frage nach den bevorstehenden Herausforderungen für die Finanzierung der öffentlichen Musikschulen an die Kommunen verwies Michael Eberhardt auf den Grundsatz, wonach die öffentliche Musikschule laut dem KGSt-Gutachten als Aufgabe der öffentlichen Hand in einer Verantwortungspartnerschaft von Ländern und Kommunen wahrgenommen wird. Aufgrund der Kulturhoheit der Länder liegt die Ausgestaltung der kulturellen Bildung grundsätzlich im Zuständigkeitsbereich der Länder. Die Länder verstehen und fördern hierzu die Musikschulen als kulturelle Bildungseinrichtungen, für deren Aufgabe beziehungsweise Umsetzung in erster Linie die Kommunen zuständig sind.
Angela Dorn erläuterte die Grund-idee des Paktes für die Musikschulen, wonach es nicht nur darum geht, die Fördergelder zu erhöhen, sondern vielmehr, um eine damit zu verbindende Qualitätssteigerung. Die Kommunen müssen letztlich mitziehen, wobei jenen, die trotz bestem Willen infrastrukturbedingt womöglich ins Hintertreffen geraten, zielführend „unter die Arme gegriffen“ werden soll.
Ein weiteres Diskussionsthema war die Digitalisierung. Insbesondere die Entwicklung der künstlichen Intelligenz stellt auch für die öffentlichen Musikschulen eine Herausforderung dar. Leonhard sieht die öffentliche Musikschule als jenen Ort, an dem zunächst die musikbezogene schöpferische Persönlichkeitsbildung im Vordergrund steht, die somit auch zum selbstbestimmen Umgang mit sämtlichen digitalen Medien verhelfen kann. Angela Dorn konstatierte, dass die öffentlichen Musikschulen mit ihrem kulturellen Bildungsangebot über das herkömmliche Schulwesen hinausreichen. Sie ermöglichen die weitere interessengeleitete Entfaltung von Intelligenz, Talent und Kreativität. Deshalb wird die Musikschule mehr denn je beim gelingenden Umgang mit KI gefragt sein. Letztlich stellt die KI im besten Falle ein zusätzliches methodisches und didaktisches Hilfsmittel dar, aber sie kann niemals den zwischenmenschlichen pädagogischen Prozess zwischen Lehrenden und Lernenden ersetzen.
Im Anschluss wurde das Publikum einbezogen. Hier gab es unter anderem kritische Einwände hinsichtlich des beabsichtigten Fördervolumens durch das Land und der sogenannten freiwilligen Leistungen, die noch zu oft als Totschlagargument gegen die Musikschulen angeführt werden.
Zum Abschluss des Kolloquiums richtete Michel Eberhardt seinen Dank zunächst an die Ministerin für ihren bisher geleisteten unverbrüchlichen Einsatz für die Zukunftssicherung des öffentlichen Musikschulwesens, zugleich an die Hessischen Landtagsfraktionen und last but not least an das Kuratorium, das sich hierbei mittlerweile zu einem echten Rückenschild für die Anliegen des VdM Hessen etabliert hat.

 

Bilder ©: VdM Hessen

 


 

Mehr Musik! 

26. Musikschulkongress des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM) und seines Hessischen Landesverbandes (VdM Hessen) in Kassel 2023

„Mehr Musik!“ war das Motto des diesjährigen Musikschulkongresses des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM) und seines Hessischen Landesverbandes, der am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen ist. Im Kongress Palais Kassel nutzen 1.500 Teilnehmende drei Tage lang das breit gefächerte Kongressprogramm mit über 60 Fortbildungsveranstaltungen, Diskussionsforen und Plenen zu aktuellen musikpädagogischen und bildungspolitischen Themen.

Der Bundesvorsitzende, Friedrich-Ko Dolge forderte in seiner Begrüßung „Zugänge zur musikalischen Bildung für alle Menschen, vor allem für alle Kinder und Jugendlichen! Er betonte dabei, dass Musizieren und musikalische Bildung Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilisierung, Differenzierungsvermögen und Ausdrucksfähigkeit, emotionale Intelligenz und Empathie stärkt. Es gilt hierfür die Kraft und die Energie der Musik zu nutzen, um zu entfalten, zu integrieren, zusammenzuführen und zu verbinden, auch dort, wo die Sprache nicht in der Lage dazu ist. Musizieren und musikalische Bildung bedürfen eines langfristigen und nachhaltigen Aufbaus. Musikalische Bildung muss daher wieder eine zentrale Rolle in der Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen spielen!“

„Wir Hessen sind unglaublich stolz auf unsere Musikschule in Kassel, die ein hervorragendes musikalisches Rahmenprogramm bei diesem Bundeskongress durchgeführt hat“, sagte Michael Eberhardt, Landesvorsitzender des VdM Hessen zu Musikschulleiter Sebastian Wolf und dessen Stellvertreterin Patricia Spohr in deren Heimatstadt Kassel, nach dem finalen bravourösen Familien-Konzert der von den Musikschulen Kassel, Schwalm-Eder und Wolfhagener Land gemeinsam getragenen Jungen Philharmonie Nordhessen. Der Landesgeschäftsführer Hans-Joachim Rieß ergänzte hierzu: „Ich verneige mich vor Euch und ziehe meinen Hut vor Eurer großartigen Arbeit, die ihr hier auf dem Bundeskongress für unserer gemeinsame Sache geleistet und zeigt habt!“.

Von Seiten des Hessischen Landtages grüßte die Vizepräsidentin Karin Müller die Kongressteilnehmenden und lobte ihrerseits nochmals die Arbeit der Musikschule Kassel.
Die Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn überbrachte die frohe Botschaft, dass die Landesförderung für das öffentliche Musikschulwesen in Hessen in der kommenden Dekade schrittweise auf über neun Millionen erhöht werden soll, was einer Verdreifachung des bisherigen Fördervolumens entspricht.  Frau Dorn verhehlte neben ihrem persönlichen besonderen Interesse für die Teilhabe aller hessischen Bürgerinnen und Bürger an musikalischer Bildung nicht, dass dieses zukunftsweisende Vorhaben der Hessischen Landesregierung letztlich auch auf dem unermüdlichen Einsatz und das riesige Engagement des Landesvorsitzenden und des Geschäftsführers des VdM Hessen zurückzuführen ist.
 

Eine Erfolgsgeschichte aus Liebe zur Musik

Text © Gießener Allgemeine 04.04.2010,
Friedberg (buc).

Friedberg (buc). Nur wenigen Künstlern gelingt es, aus ihrer Berufung einen existenzsichernden Beruf zu machen. Einer hat es auf seine Weise geschafft: der studierte Gitarrenmusiker Michael Eberhardt. Auf seine Weise heißt: Er hat nicht nach den höchsten Sternen gegriffen und sich doch den Traum erfüllt, mit und für die Musik zu leben. Vor 25 Jahren gründete er mit Gleichgesinnten die Musikschule Friedberg. Die feiert somit in diesem Jahr Jubiläum, und der Initiator ist weiterhin ihr Chef.

Eberhardt hatte eine Marktlücke entdeckt. Damals unterrichtete er in der Bad Vilbeler Musikschule Gitarre. Er wohnte aber in der Kreisstadt, und dort gab es ein vergleichbares Angebot nicht. Die Bad Nauheimer Musikschule lag zwar gleich nebenan. Aber im Grunde wollte er seine eigenen Ideen verwirklichen, erzählt er.
Die notwendigen sieben Musikliebhaber, die zur Gründung eines Vereins notwendig sind, fanden sich schnell. Zu ihnen gehörten die beiden Blindenschullehrer Reinhard Huth und Ursula Rehmann. Im März 1985 gründeten sie den Trägerverein und wählten den Ober-Mörler Pfarrer Detlef Bothe zum Vorsitzenden und Eberhardt zum Stellvertreter und kommissarischen Schulleiter.
Unterstützung kamen von der Stadt, allen voran von Bürgermeister Ludwig Fuhr. 9500 Mark gab es als Anschubfinanzierung. Der Wetteraukreis stellte zwei Räume in der Gemeinsamen Musterschule zur Verfügung, los ging es mit zwölf freiberuflichen Lehrern und 73 Schülern, die über Flyer und Mundpropaganda geworben wurden. Heute sind bei der Musikschule sieben Lehrer fest angestellt, dazu kommen freischaffende Musikpädagogen sowie 1400 Schülerinnen und Schüler.
Die steigende Schülerzahl führte dazu, dass die Musikschule unter Raumknappheit litt. Zunächst verteilte sich der Unterricht auf diverse Schulen in Friedberg. Schnell reifte bei Eberhardt der Plan, dass die Musikschule ein eigenes Gebäude benötigt. Am Ende hat sein Kampf rund zwei Jahrzehnte in Anspruch genommen. Zehn Jahre nach seinen ersten Ansätzen, für ein eigenes Gebäude zu kämpfen, zog die Verwaltung in das lange Jahre leerstehende Alte Rathaus an der Kaiserstraße. Weitere zehn Jahre später war das Alte Rathaus so weit hergerichtet, dass auch Unterrichtsräume zur Verfügung standen.
In dem Vierteljahrhundert seit Gründung der Musikschule hat sich einiges gewandelt – anderes ist beständig geblieben. Beständig beliebt als Musikinstrument Nummer eins ist das Klavier, gefolgt von Streichinstrumenten und Gitarre. Verändert hat sich die Altersstruktur der Musikschüler. Die Schüler sind jünger geworden. Anders als noch vor 25 Jahren führt man heute schon Kinder im Grundschulalter an Blasinstrumente wie Oboe oder Klarinette heran. Lange habe man Eltern zu dieser Instrumentenwahl erst geraten, wenn die Sprösslinge das elfte Lebensjahr erreicht hatten. Da in Zusammenarbeit von Instrumentenbauern und Medizinern mittlerweile kindgemäße Blasinstrumente entwickelt wurden, könnten heute bereits Sechsjährige diese Instrumente lernen, sagt Eberhardt.
Zum sinkenden Altersdurchschnitt trägt zudem bei, dass die Musikschulen immer mehr für die Allerkleinsten Musikunterricht anbieten. Diesem Trend folgen auch die Friedberger. Bereits für Babys gibt es Angebote wie »Baby Musik« (3 bis 16 Monate) und »Minimäuse« (16 Monate bis 3 Jahre). Diese Kurse seien durch die veränderten familiären und gesellschaftlichen Strukturen bedingt, erläutert Eberhardt. Früher hätten die Großeltern mit den Kindern Lieder gesungen.
Heute seien Oma und Opa nicht mehr so wie früher in den Haushalt ihrer Kinder und Enkelkinder integriert. Oftmals müssten junge Eltern die alten Kinder- und Spiellieder selbst erlernen. Vom Kleinkinderunterricht profitieren somit sowohl die Kinder als auch deren Eltern.
Anders als früher stehe aber nicht mehr nur das Erlernen eines Instruments im Vordergrund des Unterrichts, betont Eberhardt. Die Lehrer legten immer mehr Wert auf musisch-ästhetische Bildung. So werden im Unterricht auch Musikgeschichte und die Wirkung von Musik auf Sinne und Körper behandelt.
Viel verändert habe sich im Verhältnis zwischen Schulen und Musikschulen. »Früher haben wir nur die Räume der Schulen genutzt«, erinnert sich Eberhardt. Die Musikschule habe damals eher die Anmutung und das Selbstverständnis eines Konservatoriums gehabt. Aus der berührungsfreien Koexistenz zweier Einrichtungen mit öffentlichem Bildungsauftrag entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, beide Seiten haben sich geöffnet. Das sei noch wichtiger geworden, seit die Schulzeit an den Gymnasien um ein Jahr verkürzt wurde (Stichwort: G8).
Den Schülern fehle dadurch vielfach die Zeit zum Üben, bedauert er. Deshalb arbeite man derzeit mit den Schulen an Plänen, um Schülern zu ermöglichen, in der Schule mit ihrem Musikinstrument zu üben. Beim Kultusministerium haben Eberhardt und seine Musikschulkollegen beantragt, dass Musikschulunterricht als regulärer Unterricht anerkannt wird. Da in den vergangenen Jahren der kulturelle Unterricht wie Musik und Kunst zugunsten von naturwissenschaftlichen Fächern vernachlässigt worden sei, bestehe hier Nachholbedarf.
Internationale Partnerschaften
Das Musikschulteam, allen voran Eberhardt und der Vorsitzende des Trägervereins, Peter Wenzel Sadlo, wollen die Musikschule weiter öffnen. Die Partnerschaft zu Musikschulen im Ausland soll ausgebaut werden. Ebenso lang wie die Friedberger Musikschule besteht die Partnerschaft mit der Musikschule in Villier-sur-Marne in Frankreich. Intensiver soll auch der
Austausch mit der spanischen Musikschule der Stadt Palafrugell werden. Viel Energie investiert Eberhardt auch in das »JeKi«-Projekt. Die Abkürzung steht für »Jedem Kind ein Instrument« und wird vom Kultusministerium und dem Landesverband Deutscher Musikschulen vorangetrieben.
Als Ergänzung zum Fach Musik können Schüler in ausgewählten Grundschulen ein Instrument erlernen. Geleitet wird der Unterricht gemeinsam von Grundschul- und Musikschullehrern. Seit Beginn des Schuljahres 2008/09 betreut die Friedberger Musikschule eine Grundschulklasse der Gemeinsamen Musterschule.

© Wetterauer Zeitung, 18.05.2013